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Die südgermanischen Heldensagen

Sagenkreise der Alemannen

 

Die germanische Heldenwelt ist heute vor allem aus zwei großen Schriftquellen tradiert: Die nordische Saga-Literatur einerseits und die deutsche Heldenepik andererseits. Allerdings wäre es falsch anzunehmen dass die Überlieferungslage auch genau den Inhalten entsprechen würden: So wird von den großen Wikinger-Häuptlinge zwar ausschließlich in den Sagas erzählt, dennoch aber bildet die Thidrekssaga die wichtigste Quelle zu den Geschichten Dietrichs von Bern. Auch für die heute populäre Darstellung der Nibelungen nach Richard Wagner diente nicht das deutsche Nibelungenlied, sondern vor allem die nordische Lieder-Edda als Quelle.

Die Heldensagen zeichnen sich dadurch aus, dass in ihrem Zentrum keine übermenschlichen Wesen, sondern menschliche Männer und Frauen stehen – nicht selten trotzdem mit übermenschlichen Fähigkeiten – deren Taten und Erlebnisse einen ähnlichen Stellenwert für die germanische und mittelalterliche Gesellschaft einnahmen wie die Götter selbst. Meist, aber nicht immer, sind es daher vor allem Herrscher oder Halbgötter. Ob diese Männer und Frauen dabei als Idealbild oder als Negativbeispiel gelten, wird kontrovers diskutiert.

Zu betonen ist, dass hier ein ganz anderes Geschichtsverständnis zugrunde liegt, als es heute in der Schule vermittelt wird: Die Mythologie tradiert, was den Menschen in Erinnerung bleibt und Wert für sie besitzt; und sie ist daher zu unterscheiden von der Historie, die sich Fachkundige aus der Auswertung von literarischen und archäologischen Fakten erzählen.
Unser modernes Geschichtsverständnis ist eher historisch als mythologisch geprägt. Diese Entwicklung nimmt es mit sich, dass je später die Helden in der Mythologie anzusiedeln sind, die Grenze zur historischen Überlieferung immer mehr und mehr verschwimmt, so dass man ab der Karolinger-Zeit nahezu jedem berühmten Sagenhelden eine historische Figur zuordnen kann.



Abbildung 1: Die klassischen kontinental-germanischen Sagenkreise, deren Mittelpunkt nach diesem Maßstab die Alemannen bilden: Amelungen (grün), Nibelungen (orange) und Karolinger (blau).


Auf den ersten Blick scheint es keine spezifisch typischen alemannischen Helden zu geben, die man aus den üblichen Sagen kennt. Eine einzige, wenn auch recht späte Ausnahme, könnte einzig der Herzog Ernst bilden. Ansonsten bildete die alemannische Region immer eine Art Randgebiet – sie ließ sich weder eindeutig den Nibelungen des Nordens zuordnen, genauso aber noch den Amelungen im Osten und in Italien oder den Karolingern links des Rheins.

Ihre Rolle darf man hierbei doch nicht unterschätzen. Gerade weil die Alemannen hier eine randständige Rolle einnehmen, sind die Verbindungen die sich ziehen lassen umso vielfältiger und auch nicht unwichtig – insbesondere die schicksalhafte Reise der Nibelungen spielte sich entlang der Donau auf alemannischem Gebiet ab.

 

 

Vorzeit

 

Die Sagen der Vorzeit handeln von der Erschaffung der Welt und den ersten Menschen. In ihnen finden sich Erzählungen über die Stamm- und Ureltern der Völker, meist aber ohne diese mit spezifischen Abenteuern zu verbinden. In dem Artikel „Vom Ursprung der Schwaben und Sachsen“ wird die altgermanische Formung der ersten Menschen aus Pflanzen thematisiert. Diese Vorstellung ist aber eher theologischer Natur. Die nordischen Entitäten Ask und Embla sowie ihre Nachfolger Lif und Lifthrasir werden nur in Verbindung mit den Göttern erwähnt, nicht aber in Verbindung mit Genealogien der Sagenhelden, obwohl man umgekehrt durchaus von den Genealogien der Geschlechter schon immer Bezüge zu den Göttern und den Pflanzen hergestellt hat.

 


















Abbildung 2: Mannus Söhne - Zeichnung von Carl Larsson (1853-1919) und Justus Peterson (1860-1889)



Die Söhne des Mannus

 

Die ursprünglichsten genealogischen Erzählungen menschlicher Helden werden im Rigsmal erzählt. Rig, ein Gott der als Wodan oder Heimdall gedeutet wird, setzt drei Menschensöhne als Gründerväter der klassischen Stände (Wehrstand, Lehrstand und Nährstand; ähnlich der indischen Kasten) ein. Eine ganz ähnliche Geschichte erwähnt Tacitus von den drei Söhnen des Mannaz („Mensch“), seinerseits Sohn des rätselhaften Gottes Tuisto: Irmin, Ing und Istvi, deren Namen sich auch als Beinamen für die Götter-Trias (Wodan, Frô, Donar) finden und nach denen sich auch die drei großen germanischen Kulturvölker benannten: Erminonen, Ingäwonen und Istwäonen.

Die vielen Kleinstämme dieser Kulturvölker schlossen sich im Verlauf der Geschichte zu den geläufigen Großstämmen zusammen (darunter die vor-deutschen Alemannen, Bayern, Franken, Thüringer, Friesen, Angeln und Sachsen), von deren ersten Helden in dem Artikel „Ursprungssagen“ erzählt wird.

 

 

 

Germanische Zeit

 

Die germanische Zeit geht über von der Vorzeit zur modernen Historie und Volksdichtung. In ihr wird erzählt von den alten sagenumwobenen Königen und Geschlechtern, in denen sich auch bereits historische Ereignisse der Antike, Völkerwanderung und des frühen Mittelalters spiegeln. Mit den Karolingern, die auch als historisches Geschlecht fassbar sind und der christlichen Reichsgründung endet dieses Zeitalter, wenngleich einige Sagenhelden auch noch in späterer Zeit anzusiedeln sind.

 

 

Dietrich von Bern

 

 

 

 

 

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Trotz aller Namensähnlichkeiten haben die Amalungen nichts mit den Alamannen zu tun und das Bern (Verona) im heutigen Italien nichts mit dem alemannischen Bern in der Schweiz. Das schmälert die Bedeutung Dietrichs für die alemannische Welt jedoch keineswegs: War es doch sein historisches Gegenstück, Theoderich I. der Große, der die im Süden verbliebenen Alemannen vor der fränkischen Einverleibung beschützte. Den südlichen Donau- und Alpenraum dürften seine Erzählungen schon in früher Zeit dominiert haben, als man sich im Norden die Geschichten von Beowulf, Siegfried und den Wikinger-Jarlen erzählte.

Vergleichsweise unbekannt scheint seine Geschichte aber heute in der Welt zu sein, dennoch bildet sie einen elementaren Teil der germanischen Sagenwelt: Seine Verbannung und Flucht aus dem gotischen Italien, die artushafte Gefolgschaft welche er sich nach und nach durch respektvolles Tun erwarb und nicht zuletzt den schicksalhaften Kampf gegen die Nibelungen am Hof des Hunnenkönigs Etzel (entsprechend dem historischen Attila) – bis zu seiner Heimkehr, an dessen Ende die berüchtigte Rabenschlacht und das faszinierende Hildebrandslied stehen.

 

 

Die Burgunden und Nibelungen


 

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Aus dem Nibelungenlied sind die Ereignisse an der fränkisch-alemannischen Rheinecke bei Worms bekannt, wo am Hof von Gunther und Hagen der legendäre Held Siegfried ermordet wird und der Nibelungenhort als „Rheingold“ von Hagen im Fluss versenkt wird. Eine Vorgeschichte zu Gunther und Hagen und ihrem Kampf gegen die eigenen Freunde, Walther und Hildegund, wird zudem im Waltharilied erzählt, das wahrscheinlich in Straßburg oder St.Gallen aufgeschrieben wurde.

Das Nibelungenlied erzählt ferner von ihrer schicksalhaften Reise an der Donau entlang zum Hofe König Etzels, wo es zum entscheidenden Kampf mit Dietrichs Gesellen und damit zum Untergang des alemannisch-burgundischen Nibelungen-Herrschergeschlechts kommt. Das Machtvakuum wird nun von den von Norden ankommenden fränkischen Karolingern und den im Süden erstarkenden gotischen Amelungen ausgefüllt; Ereignisse, die sich auch in der historischen Geschichte bereits nachspüren lassen.

 

 

 

Kaiser Karl

 

Den ersten nicht-römischen Kaiser Europas mit allen seinen guten und schlechten Verdiensten kennt man heutzutage vor allem aus der Historie. Weniger bekannt sind indes die germanischen Sagen, die sich um ihn und sein Herrschergeschlecht ranken. Willehalm von Orange, der Kämpe Roland mit dem Horn Olifant und die Haimondskinder sind hier zu nennen; ihre Geschichten spielen jedoch sämtlich auf dem Boden des heutigen Frankreich. In Süddeutschland war aber eine ganz andere Facette dieser Geschichten populär: Die Bergentrückung des schlafenden Kaisers, der durch den Zwerg Malagis ins Schloss Montalban gebracht wurde und nun im sagenumwobenen Untersberg bei Salzburg sitzen soll. Ähnliche Legenden sind auch von anderen Herrschern überliefert – etwa Kaiser Barbarossa, Holger Danske oder der Druide Merlin.

 

 

Herzog Ernst


 

Ein weiterer global betrachtet unbekannter, aber nicht minder abenteuerreicher Sagenheld ist Ernst von Bayerland, desse historisches Gegenstück wohl ein Raubritter im Schwarzwald gewesen war. Seine Geschichte beginnt in der rheinischen Pfalz zu Ingelheim, wo er sich durch erlittenes Unrecht von seinem Zorn getrieben die Gunst des Kaisers verspielt und in die Acht fliehen muss.

Seine Reise führt ihn hierbei in das Heilige Land, wo er im heidnischen Orient auf viele seltsame Kreaturen trifft, durch die Bekanntschaft einer indischen Prinzessin in Indien neuen Ruhm erntet und nach einem kritischen Zusammentreffen mit dem Sultan in Babylon erfolgreich zur Versöhnung mit Kaiser Otto zurück ins Reich kehrt. Keiner der germanischen Sagenhelden auf dem Kontinent verbindet daher so viele Teile der Welt in seinem persönlichen Werdegang so sehr wie Herzog Ernst.

 

 

Wilhelm Tell



 

 

Bereits historisch verortet, wenn jedoch nicht als historische Figur bezeugt (im 14. Jahrhundert) ist der Schweizer Nationalheld Wilhelm Tell, dessen berühmte Apfelschuss-Legende schon in älteren germanischen Sagen als Motiv auftaucht, unter anderem bei Dietrich von Bern.

Der Schütze Wilhelm Tell, der gegen das Unrecht der Schweizer Herrschaft kämpfte, legte den Grundstein für den Rütli-Schwur und damit die Loslösung der Eidgenossenschaft vom Deutschen Reich, die zur bis heute anhaltenden politischen Unabhängigkeit der Schweiz führte.

 

 

 

Modernere Helden


 

Die oben erwähnte Historisierung des Geschichtsverständnisses im Verlauf des Mittelalters brachte es mit sich, dass die Legenden über berühmte Kaiser und Könige aus dem Erzählgut des Volkes verschwanden. Sorgfältig angelegte Chroniken zeitgenössischer Historiker liefen ihnen den Rang ab. Die Rationalisierung und informativ immer direkter werdende Strukturierung der Gesellschaft ließen keinen Platz mehr für mythische Erinnerung an Herrscher und Halbgötter, über die man Erzählungen dichten und ausschmücken konnte. Ein Nachhall dessen findet sich bestenfalls noch in bildhaften Karrikaturen und fantasievoller Polemik.

Doch auch davon abgesehen verschwand die sagenumwobene Erinnerung nicht. Bereits seit der Karolingerzeit war es üblich, bei historischen Persönlichkeiten kleinere Randereignisse des Lebens mythisch auszuschmücken oder ihnen diese anzudichten. Und noch etwas gewann an Bedeutung: Die von der hohen Mythologie der Götter und Könige unabhängige Welt der kleinen Leute und lokalen Berühmtheiten. Sie wurden weiterhin erzählt in den vielen Sagen, die Volkskundler wie die Brüder Grimm sammelten.

Abbildung 3: Die 7 Schwaben, nach einer Erzählung von Hans Sachs im 16. Jahrhundert, bewahren den Status als identitätsstiftenden und symbolträchtige Figuren, trotz jedem vermissten Glanz der alten Heldengestalten.





Burkart Keller von Yburg verliebt sich in die feenhafte Nymphe aus dem heidnischen Tempel. Dieser Junker ist nur aus der Sage bekannt, soll aber "in der Zeit zwischen 1479 und 1493" gelebt haben.

Verweis:
http://www.schloesser-und-gaerten.de/monumente/burgen/altes-schloss-hohenbaden/wissenswert-amuesant/anekdoten/kellers-bild/





Der aus der Bibel bekannte Hauptmann Longinus, der den gestorbenen Heiland mit seinem Speer am Kreuz stach, soll aus Zöbingen bei Ellwangen stammen. Interessanterweise fanden Archäologen in jüngerer Zeit das Grab eines römischen Hauptmann namens Pantera - ein Hauptmann dieses Namens soll wiederum nach einer jüdischen Legende der leibliche Vater des Heilands gewesen sein. Beide Hauptmänner werden also suebisch-alemannischer Herkunft bezichtigt - Stoff für neue Legenden?

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